Hier sitze ich nun, zurück in Berlin, an meinem gewohnten Platz am Schreibtisch. Genau vor einem Jahr bin ich losgezogen. Dieselben Bilder hängen an der Wand, ein Nachbar spielt laute Musik. Rieke wird bald von der Arbeit nach Hause kommen, und draußen tönt die laute Stadt. Alles ist wie immer. Nur ich bin auf einmal anders.

– Auszug aus „Frühstück mit Elefanten – als Rangerin in Afrika“

Zurück zu den Wurzeln.

Kinners, viel ist passiert in den letzten zwei Jahren. So viel sogar, dass mir manchmal schwindelig wird, wenn ich zurückblicke. Alles begann mit einer Schnapsidee nach meinem Urlaub in Südafrika in 2014: Ich wollte raus aus der Großstadt und mich innerhalb eines Jahres zur Safari-Rangerin ausbilden lassen. Was für eine  eine Schnapsidee! Was für ein irres Hirngespinst von einer, die vor dem Leben davonrennt! Tatsächlich kann ich heute, zwei Jahre später, aber das Gegenteil belegen: Ich bin nicht vor dem Leben davon gerannt, nein ich bin mit offenen Armen darauf zugelaufen.

Seitdem ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mein Leben mit dem Abflug ins Abenteuer auf Null zurückgesetzt habe, haben sich mir mehr Türen geöffnet, als ich es mir jemals hätte erhoffen können:

  1. Ich habe einen neuen Beruf erlernt.
  2. Ich habe ein Buch über diesen Neuanfang geschrieben.
  3. Ich habe in den letzten zwei Jahren vier neue Länder bereist und kennengelernt.
  4. Ich habe meine Leidenschaft gefunden.
  5. Und dann wäre da noch der wichtigste Punkt: Ich habe jemanden gefunden, mit dem ich das alles teilen kann.

Zurück zu den Wurzeln

Schnapsidee – was ist das?

Und all das verdanke ich meiner kleinen Schnapsidee.

Aber was ist das eigentlich – eine Schnapsidee?

Der Duden beschreibt sie kurz und knapp wie folgt:

  • Schnapsidee, die: ein unsinniger, seltsamer Einfall; eine verrückte Idee

Mit Schnaps hat das Ganze also herzlich wenig zu tun (auch wenn sich wohl nicht bestreiten lässt, dass sich am Fuße eines Schnapsglases schon die eine oder andere Schnapsidee hat finden lassen… 😉 )

Nein, vielmehr geht es um eine impulsive Entscheidung, einen verrückten Geistesblitz – eine bahnbrechende Idee, die das Blut zum Kochen und das Herz zum Trommeln bringt. Wer jemals dieses Wolkenkratzer-hohe Hochgefühl, dieses sensationelle „Ich mach‘ das jetzt einfach!“ empfunden hat, der wird verstehen, was ich meine.

Als „Schnapsideen“ werden diese grandiosen Einfälle allerdings erst später bezeichnet – nämlich zumeist dann, wenn die erste Euphorie vergangen ist; wenn wir beginnen, den spontanen Einfall tatsächlich in einen konkreten Plan verwandeln zu wollen; und vor allem dann, wenn wir anderen davon erzählen. Fast beschämt sagen wir dann „Ach, das war nur eine Schnapsidee…“, so als ob wir’s gar nicht richtig ernst meinten; so als ob wir uns schämten für eine Idee, die vielleicht etwas abseits der Norm liegt.

Aber warum? Warum machen wir das? Warum bügeln wir kreative, hervorstechende Ideen glatt und verleihen ihnen im Gespräch mit anderen den negativen Charakter eines im Schnaps entstandenen Einfalls?

Vielleicht weil wir Angst haben?

Nein, kein Fragezeichen.

Vielleicht weil wir Angst haben.

Afrika - die Wiege der Menschheit

Angst vor dem Neuanfang

So war es zumindest in meinem Fall. Ich wusste, die Idee ist gut. Ich wusste, es war höchste Zeit für einen Neuanfang. Für eine radikale Glattrasur meines Lebens. Für den Sprung ins kalte Wasser. Aber ich hatte Angst. Angst davor, was die anderen davon halten würden. Angst davor, das wirklich durchzuziehen. Angst davor, zu scheitern. Aber trotzdem musste ich anderen davon erzählen; trotzdem wollte sich mein unsinniger, seltsamer Einfall Gehör verschaffen. Und so war meine Schnapsidee geboren.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war Folgendes: Ich erhielt als Antwort kein Gelächter von denen, die ich einweihte. Es hielt mich niemand für verrückt; es zeigte mir auch keiner einen Vogel. Im Gegenteil: Das Feedback derer, denen ich von meiner Idee erzählte, fiel durchweg positiv aus. Alle waren sich einig: Ja Mensch, mach das doch!

Ich selbst war diejenige, die es weiterhin als Schnapsidee abtun wollte. Aber rückblickend überrascht es mich nun nicht mehr, dass andere meine Idee, zurück zu den Wurzeln zu finden, für gut befanden.

Wir leben auf einem blauen Planeten, der um einen brennenden Ball kreist, und nachts leuchtet der Mond, der unsere Meere bewegt… Wenn das nicht schon ein Wunder ist, was dann? Nur kriege ich nichts mit von diesem Wunder. Ich bin ein ganz natürlicher Teil davon und habe es völlig vergessen. Ich bin zu digital, zu pixelig geworden.

– Auszug aus „Frühstück mit Elefanten – als Rangerin in Afrika“

Es ist doch so: Wir alle wollen irgendwie wieder raus. Das ist der Tenor, der mich nun auch nach Veröffentlichung des Buches immer wieder von euch erreicht. In Berlin ist die Nachfrage nach Schrebergärten so groß wie zuletzt in den Fünfzigern. Wander-Urlaube erfreuen sich mehr und mehr größerer Beliebtheit. Und auch wenn wir das Internet oft genug verfluchen, so ermöglicht es uns doch ungeahnte Chancen von einem Leben in der Natur ohne dass wir uns von unserer Umwelt abgeschieden fühlen müssen.

Nicht jeder muss, kann oder will dabei den weiten Weg nach Afrika gehen, den ich für mich gefunden habe (…oder hat der Weg am Ende mich gefunden? Hm.). Es gibt auch näher dran an der Heimat (ja, sogar IN der Heimat!) unendlich viele Chancen, sich wieder zu erden, auf dem Boden anzukommen und wieder ein Leben zu führen, das mehr im Einklang mit der Natur stattfindet.

Wenn ich an eines glaube, dann ist es das: Wir müssen nicht „wieder mehr Zeit in der Natur verbringen.“ Nein, wir müssen uns wieder daran erinnern, dass wir ein Teil von der Natur sind. 

Afrika - zurück zu den Wurzeln

Und ich für meinen Teil finde, an keinem anderen Ort funktioniert das so gut, wie in der afrikanischen Wildnis. Hier kommen wir her. Hier geht es zurück zu den Wurzeln. Hier hat sich unsere Spezies einst gegen all die anderen behauptet; hier haben sich die Instinkte geschärft, die in unserem heutigen Computer-gesteuerten Alltag nun so abgestumpft sind. Und von hier aus sind wir ausgezogen in die große, weite Welt – nur um schließlich zu vergessen, dass wir zu ihr gehören.

Ich glaube, es gibt nur wenige bis gar keine Menschen, denen das Brüllen eines Löwen in der Nacht; die Begegnung mit einem wilden Elefanten; oder das stille Sitzen am Lagerfeuer nicht ein Gefühl von Zugehörigkeit zu dieser Welt vermittelt. Und genau das ist es, was wir dieser Tage dringend brauchen. Wir müssen zurückfinden zu unseren Wurzeln. 

africa

Und ich hoffe, ich darf bei dem einen oder anderen von euch selbst dabei sein, wenn ihr zurück zu den Wurzeln findet. Zum ersten Mal die herrlich erdige Safari-Luft schnuppert; aufgeregt der afrikanischen Nacht lauscht; und in den Flammen eines selbst gemachten Lagerfeuers vielleicht sogar ein paar Antworten findet… Wie das möglich werden kann, erfahrt ihr hier. 

Zurück zu den Wurzeln