Ich bin zurzeit zurück in Berlin – der Stadt, die ich seit knapp zehn Jahren zu Hause nenne. Ich kehrte zurück nach einem wahnsinnig spannenden und lehrreichen Jahr. Aber ich habe etwas an einem anderen Ort zurückgelassen…

 

Und dieses etwas ist mein Herz.

Und dieser Ort heißt Makuleke.

 
Makuleke ist ein abgelegenes und wildes Reservat an der nördlichen Spitze des Krüger Nationalparks, wo an den Ufern des Limpopo-Flusses Südafrika auf Zimbabwe und Mozambik trifft. Es ist ein Ort voller Legenden aus alten Tagen und inspirierenden Charakteren, die noch heute durch die wilden Wälder dieser Gegend streifen.

Hier liegt „Crooks Corner“ – die Schurken-Ecke – ein Ort, wo die Gesetzlosen vergangener Tage Unterschlupf suchten, um schnell von einem Land ins andere hüpfen zu können. Manche sagen, dass dieselben Freigeister, die schon damals von „Crooks Corner“ angezogen wurden, auch noch heute ihren Weg dorthin finden.

Ich war für eine Weile eine von ihnen. Ich habe Zeit und Raum in diesen Wäldern vergessen und meine Füße im kühlen Nass des Limpopo gebadet. Ich habe mit guten Menschen am Feuer gesessen und gelernt, wieder auf mein Herz und meine Sinne zu hören.

 

Ich hatte, ja wirklich, ich hatte die Zeit meines Lebens. 

 
Aber was passiert, nachdem du so einen Ort der Wunder verlässt? Wie bewahrst du die Erinnerungen? Und wie erträgst du den Gedanken, dass es nie wieder so sein wird? So wie es war, als es am Schönsten war?

Wie kannst du nicht in Zukunft jede andere Ecke der Welt mit dieser hier vergleichen? Und wie könnte je ein anderer mit dem Ort mithalten, an dem du einst so glücklich warst?

 

Es geht nicht, nein, es geht nie nur um den Ort an sich.

 

Es geht um die Menschen, die du triffst. Es geht um die Erfahrungen, die du machst und das, was du von dir selbst gibst, um zurückzugeben.

Vielleicht habe ich zu viel von mir selbst an diesen Ort gegeben. Vielleicht wird es sich nirgendwo wieder so anfühlen wie dort. Vielleicht nicht einmal dort.

Das frage ich mich ohnehin. Werde ich mich je wieder zu Hause fühlen oder werde ich für immer durch die Welt ziehen auf der Suche nach etwas Wildem, das mein rastloses Wesen zur Ruhe kommen lässt?

Ich bin jetzt hier, aber ich werde wohl für immer ganz woanders sein.

 

Mein Herz brennt für die offene Straße. 

 

Und doch sehnt es sich nach Stillstand.

Ich stehe zwischen zwei Leben. Das eine, das mich jetzt wieder einholt in dieser großen Stadt; das andere, das gerade erst beginnt.

Dieser Tage liegt etwas Bittersüßes auf den vertrauten Straßen. Ich kenne so viele von ihren Ecken gut. Kenne so viele Geschichten über all ihre Risse und Kanten. Doch sind es nicht die Geschichten, von denen ich erzählen will.

Manchmal wünschte ich mir, ich hätte nie den ersten Schritt vor die Tür gemacht. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre hier glücklich geworden. Aber jetzt fühle ich mich wie eine Fremde in der Stadt.  Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Es ist, wie es ist. Ich kann nicht bleiben. Und ich will ja auch nicht.

Denn leider. Leider wird Berlin immer der Ort sein, an dem ich es nicht geschafft habe, Glück zu finden. Wir lieben uns ja irgendwie, aber wir hassen uns auch gleichermaßen.

Vielleicht habe ich es zu lange versucht. Vielleicht hätte ich schon längst aufgeben sollen.

Oder vielleicht lebt in mir auch immer noch die Hoffnung, dass ich eines Tages wiederkomme und Berlin und ich, wir beede, uns dann wie alte Freunde grüßen.
 

Alte Freunde, die einst versuchten, sich zu lieben…