*this is a German article talking about some of my texts written between 2012-2014.

Ich schaue selten zurück, versuche im Moment zu bleiben. Wenn überhaupt, dann neige ich dazu, zu sehr in der Zukunft zu leben, von dem zu träumen, was einmal sein wird. Aber die Vergangenheit, die ruht bei mir. Da tut nichts mehr weh, da klaffen keine alten Wunden.

Während ich dieser Tage darauf warte, dass mein zweites Buch erscheint, frage ich mich manchmal, ob das, was ich dort geschrieben habe, auch irgendwie Menschen bewegen wird. Durch einen Zufall (…aber war es wirklich Zufall?) stiess ich heute auf eine Verlinkung zu meinem alten Blog. Ich verbrachte den ganzen Morgen damit, meine alten Texte zu lesen. Und mit diesem frischen Blick in die Vergangenheit komme ich nun zu dem Schluss: Ja, es gibt zumindest einen Menschen, den das, was ich schreibe bewegt: Mich selbst.

Schreiben hat mich buchstäblich schon immer bewegt. Schreiben war mein Antrieb, mein Zuhause, mein Grund, um weiter in die Richtung zu gehen, die sich gut anfühlt. Und was mich heute rückblickend schmunzeln lässt, ist, dass das damals Geschriebene sich noch immer mit dem deckt, woran ich heute glaube. Noch bevor ich all die Bücher schlauer Menschen gelesen habe, die ich heute zitiere, war da in mir drin eine ganz ureigene Wahrheit – meine Intuition, die mich seit jeher geleitet hat.

Und damals, zwischen 2012 und 2014, gab es viele andere, denen das, was ich auf dem alten Blog geschrieben habe, aus der Seele sprach. In Erinnerung an diese gute, alte, bittersüsse Zeit teile ich heute ein paar Textauszüge mit euch, die bis heute nicht an Bedeutung verloren haben, mit ganz viel Liebe an diejenigen unter euch, die schon seit damals Teil meiner Reise sind.

Alles Liebe,

Eure Gesa

Ich habe vergessen, wie der Wind sich anhört, wenn er durch die Wipfel weht.
Vergessen, dass es Kletterbäume gibt und wie das mit dem Klettern geht.
Ich weiß noch, ich hab früher Pusteblumen so geliebt.
Heut hab ich vergessen, dass es so was wie Pusteblumen gibt.

Vergessen, dass ich barfuß über grüne Wiesen rannte
Und den einen Vogel einst an seinem Zwitschern schon erkannte.
Vergessen, dass Libellen an einem See zu Hause sind
Und auch warum Frau Spinne tagtäglich ihre Netze spinnt.
 
Heute geh ich auf Asphalt und werde Teil von dem Verkehr.
Und wenn ich so durch die Straßen lauf, fällt mir das Atmen schmerzhaft schwer.

Ich such’ das Glück in Sachen, die mich nicht glücklich machen
Und kann mich nicht erinnern, wie es war, von Herzen laut zu lachen.


Ich habe Dich vergessen – Dich und mich als Teil von Dir.
Ich habe Dich vergessen, Welt. Und doch bin ich noch hier.

Gedicht von mir geschrieben im Bertholt-Brecht-Haus ausserhalb Berlins, 2012

Ich habe Fragen, die nach Antworten verlangen. Ich habe Durst nach der Welt. Ich will raus aus dem Hamsterrad. Und ich traue mich, daran zu glauben, dass ein selbstbestimmtes Leben meiner Gemeinschaft mehr dienen wird, als wenn ich ein unzufriedener Teil des Systems bliebe. Ich kappe die alten Seile, um selbst neue zu spannen. Der Plan ist also nicht, irgendwann einsam und allein im Wald zu wohnen. Will ja nicht die Hexe im Pfefferkuchenhaus werden. Nein, ich möchte zurückgeben, möchte auch ein bisschen was Sinnvolles tun und irgendwie diese Welt, in die ich geboren wurde, mit dem Gefühl wieder verlassen, dass ich hier nicht einfach nur meine Zeit abgesessen, sondern auch etwas für sie getan habe.

“Traumberuf Aussteiger”, 2014.

Allein und ankerlos durch die Welt zu ziehen und zwischendurch die Tage bis zum nächsten Abflug zu zählen – das war doch nie der Plan. Wenn überhaupt, dann war ich doch immer unterwegs, um einen Platz zu finden, an dem ich bleiben möchte. Ich habe Fernweh, aber eigentlich habe ich Heimweh.

“Fernweh – ein Krankheitsbild.”, 2014.

Lasst uns ein paar Bienen retten und uns mit den Sternen zudecken, lasst uns Pullover stricken statt shoppen, lasst uns aufs Land ziehen und zusammen Holzhütten bauen und lasst uns wie Petterson und Findus Fleischklößchen im Gemüsebeet pflanzen. Wir sind mehr als unser Profilbild. Wir sind Menschen mit Haut und Haaren und Herzen und Händen. Lasst sie uns benutzen. Und dann lasst mal am Ende des Tages einfach kein Beweisfoto über die blau-weiße Pinnwand jagen. Es heißt, im Internet würden unsere Informationen für immer gespeichert. Doch es gehört mehr zu einer Erinnerung, als ein paar Daten und Pixel. Und der Ort, an dem ein Moment wirklich für immer gespeichert wird, ist und bleibt immer noch das Herz.

“Den Absprung finden”, 2014.

Die Angst ist mein ständiger Begleiter dieser Tage. Aber zugleich ist sie auch mein Motor. Ich laufe nicht vor ihr weg, ich laufe ihr entgegen. Ich versuche, sie als einen Freund zu behandeln, der mein Herz höher schlagen lässt und mich mit jedem neuen Tag ein Stückchen näher in Richtung der Dinge führt, die mir am Herzen liegen.

“Mein Freund, die Angst”, 2014.

Ich weiß, ich habe es gut. Ich sollte mich freuen.
Aber ich bin überfordert. Ich will doch nichts bereuen.
Ich habe so viele Chancen und fühle mich doch trist.
Denn woher soll ich auch wissen, was gut für mich ist?
 
Wie soll ich entscheiden, was ich tun will im Leben?
Woher soll ich denn wissen, was Fluch ist und was Segen?
Wer kann mir schon sagen, was das Beste für mich ist?
Was soll ich machen, damit mich später auch jemand vermisst?

“Ich bin jung, ich habe die Wahl”, Gastbeitrag von Sarah Lorenz. (Bitte lest unbedingt das ganze Gedicht…)

…während ich reise, frage ich mich andauernd, warum ich das überhaupt mache.Ich weiß nur, ich suche Antworten. Keine Ahnung, warum ich die einzige zu sein scheine, die keine hat. Als ich jünger war, hatte ich jede Menge Antworten. Aber dann passierte das Leben und ich verlor sie unterwegs.  Noch bevor ich überhaupt anfing zu reisen, wurde ich deshalb rastlos. Seit vielen Jahren probiere ich immer wieder verschiedene Outfits an. Was nervt ist nur: Keines davon schien je zu passen. Die Schauspielerin, die Fotografin, die Fernsehredakteurin, die Studentin, die Farmerin- nicht mal die Reisende.

“Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort”, 2013.

Das hier ist ein kleiner Aufruf zur Rebellion.
Ein kleiner Aufruf für die eigenen Ideen, für all die Spinnereien und Hirngespinste in unseren Köpfen, für die Träume, die uns nachts wachhalten, die unsere Herzen höher schlagen lassen und von denen wir niemandem erzählen, aus Angst davor, für weltentrückte Spinner gehalten zu werden. Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wer immer unsere Wünsche und Pläne anstatt mit einem beherzten “Ja, verdammt!” nur mit einem abschätzigen Blick kommentiert, ist eine Schranke, unter der wir Limbo tanzen müssen – um dann beschwingt auf unserem Weg weiterzuziehen.

“Was macht uns lebendig?”, 2014.

Noch bin ich jung, noch habe ich die Wahl.
Aber neulich hatte ich einen Traum: Ich stand an einem Bahnhof. Es fuhren zwei Züge der gleichen Linie zur gleichen Uhrzeit ab. Hin- und hergerissen in welchen Zug ich einsteigen sollte, schlossen sich schließlich vor mir die Türen und die Züge fuhren ab.
 
Und ich stand noch immer am Bahnhof.

“Ich möchte einfach alles sein”, Gastbeitrag von Beatrice Tzschentke

Doch immer wenn ich mich in einem bestimmten Moment befinde, fühlt sich das Leben ganz und gar nicht groß an. Es passiert erst später, wenn Momente zu Erinnerungen werden, dass ich begreife wie groß das Leben damals war. Schließlich werden diese Erinnerungen zu Geschichten und wenn ich all jene heute erzähle, kann ich’s gar nicht anders sehen:
Leben war groß damals. Leben ist groß. Natürlich ist es auch hart und merkwürdig und traurig. Aber es ist immer lohnenswert. Denn hier sitz’ ich nun unter einem balinesischen Himmel und verstehe endlich, dass das Leben mich führen wird.

Alles was ich tun muss, ist da sein wenn’s passiert.

Da sein wenn’s passiert“, 2013.

Und darum, an alle Suchenden: Haltet durch, macht weiter, bleibt auf eurem Kurs. Eines Tages werdet ihr finden.