Angst vor Erfolg? Was ist das überhaupt?

Ich möchte diesem Artikel gern ein Zitat voranstellen, das buchstäblich meine Sicht aufs Leben verändert hat. Jawohl, so gut ist es!

Und es geht so:

“Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. We ask ourselves, Who am I to be brilliant, gorgeous, talented, fabulous? Actually, who are you not to be? (…) Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people won’t feel insecure around you. We are all meant to shine, as children do. (…) It’s not just in some of us; it’s in everyone. And as we let our own light shine, we unconsciously give other people permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others.”

… Hui.

Angst vor Erfolg – meine eigene Geschichte.

Ich möchte heute gerne davon erzählen, warum dieses Zitat so einen Effekt auf mich hatte. Und ich mache das, weil ich immer wieder unterwegs auf Reisen Menschen treffe, die ich für brilliant und inspirierend und voller Potenzial halte; die aber leider nie etwas aus diesem Potenzial machen, aus Angst davor, was dann als nächstes passieren könnte.

Warum? Weil sie Angst vor Erfolg haben. 

Die Angst vor Erfolg fühlt sich ganz ähnlich an wie die Angst vor dem Scheitern: Panikzustände und ein schneller Herzschlag. Taubheit und Aufschieberietes. Pläne schmieden bis in die Unendlichkeit, ohne dass diese Pläne jemals in die Tat umgesetzt werden.

Für viele Jahre ging es mir genau so. Ich bin von Idee zu Idee gewandert, die ich sogar auch heute noch für gut befinde und die auch funktioniert hätten – wenn ich sie nur umgesetzt hätte! Problem: Habe ich nie gemacht. Ich habe mich nie getraut, etwas zu wagen. Ich hatte zu viel Angst und jedes Mal, wenn es ernst wurde, habe ich doch noch immer einen Grund gefunden, um die Sache abzublasen.

Ich habe mich selbst sabotiert. Ich bin gescheitert noch bevor ich überhaupt angefangen habe. 

Warum habe ich das gemacht?

Weil ich diesen Jetzt-Zustand zumindest kannte. Tatsächlich mit einer Idee Erfolg zu haben, die meinem eigenen Kopf entsprungen war, machte mir höllischen Schiss! Denn es hätte bedeutet, dass ich den Leuten wirklich hätte zeigen müssen, wer ich bin. Es hätte Veränderung bedeutet. Veränderung, für die ich nicht bereit war.

Es hätte bedeutet, mich selbst nach „da draußen“ zu wagen. Und wir wissen alle, dass „da draußen“ ein ziemlich gruseliger Ort sein kann, an dem dir nicht jeder wohlgesonnen ist. Im Gegenteil: Da draußen gibt es verdammt viele Menschen, denen einer abgeht, wenn sie Leute runterputzen können und deren Hauptbeschäftigung es zu sein scheint, dir den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen, noch bevor du es überhaupt aus dem Hafen schaffst.

Warum? Weil sie selbst zu viel Angst haben, um es zu versuchen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen anderen den Erfolg nicht gönnen, sondern ihn schlecht machen.

Aber diese Leute können wir ja nicht gewinnen lassen, indem wir still bleiben. 

Wenn wir immer nur tun, was von uns erwartet wird, dann werden wir auch nie mit einer originellen Idee um die Ecke kommen. Dann werden unsere Ideen im Hinterkopf verwelken wie vertrocknete Blumen. Ist mir schon oft passiert. Zu oft, um ehrlich zu sein.

Und das Schlimmste daran ist, wenn ich dann andere Leute sehe, die mit einer ähnlichen Idee wie meiner um die Ecke kommen und damit Erfolg haben. Ihr habt keine Ahnung wie sich das anfühlt (…oder doch?), wenn jemand anders mit der eigenen Idee im Arm auf der Erfolgswelle in den Sonnenuntergang segelt.

Mir fällt noch ein Zitat ein, das ihr bestimmt kennt:

Und es kam der Tag, an dem das Risiko, in der Knospe zu verharren schmerzlicher wurde, als das Risiko zu erblühen.

Ich glaube, wir sind es unseren Ideen schuldig, dass wir sie lebendig werden lassen. Ich glaube wir sind es uns selbst und der Welt schuldig, dass wir all die Dinge tun, die wir schon immer tun wollten, aber aus Angst immer aufgeschoben haben.

Und wir müssen uns jetzt mal ganz ehrlich fragen, wann diese Angst vor Erfolg angefangen hat. In den meisten Fällen hat sie angefangen an einem Punkt irgendwo tief verschüttet in unserer Vergangenheit, als uns jemand gesagt hat, wir wären nicht dazu in der Lage, dies, das oder jenes zu tun – warum auch immer.

Die Angst vor Erfolg hat angefangen, als uns jemand sagte, unsere Ideen seien nicht gut genug – wir seien nicht gut genug. Es hat angefangen, als wir selbst uns getraut haben, jemandem von unseren größten Träumen zu erzählen und dieser jemand nicht bereit war, zu verstehen; zu helfen oder gar nur zuzuhören.

Es heißt, wir könnten andere nicht für das eigene Scheitern verantwortlich machen. 

Aber in diesem Fall sage ich: Aber hallo können wir! Wir können die Tatsache anerkennen, dass in der Vergangenheit nichts so richtig klappen wollte, weil wir nicht von den richtigen Menschen umgeben waren, die an uns geglaubt haben.

Der Trick ist allerdings, nicht in diesem miserablen Zustand zu verharren, in dem wir andere für verpasste Chancen verantwortlich machen. Der Trick besteht darin, anzuerkennen, dass wir in der Vergangenheit Angst hatten und dass wir wahrscheinlich auch in Zukunft wieder Angst haben werden, aber gleichzeitig zu erkennen, dass diese Angst uns nicht im Griff hat.

Denn am Ende ist Angst auch nur ein Gefühl. Und wir sind nicht unsere Gefühle.  

Wir können nicht länger riskieren, in der Knospe zu verharren, nur weil wir Angst davor haben, was andere denken könnten. Sich selbst klein zu machen hilft niemandem. Nur wenn wir das tun, was wir von Herzen tun möchten, können wir zurückgeben und andere anstecken und begeistern.

…Und was die Leute angeht, die versuchen, uns runterzuziehen?

Lasst mich noch kurz eine Geschichte von Steven Pressfield erzählen, dem Autor von „The War of Art“:

Pressfields erstes Blockbuster Film-Skript, das es auf die große Leinwand schaffte, war ein riesiger Flop. Niemand wollte seinen Film sehen und die Filmplakate waren schon wieder runter noch bevor man überhaupt den Titel des Films aussprechen konnte. Nach diesem Misserfolg fragte ihn ein Freund: „Und, hörst du jetzt auf?“ Und Pressfield sagte:“ Absolut nicht! Ich mache weiter!“ Daraufhin antwortete sein Freund: „Dann sei glücklich. Du bist, wo du immer sein wolltest. Und du wirst ein paar Schläge abbekommen. Das ist der Preis, den du zahlst, dafür dass du in der Arena bist und nicht auf den Zuschauerreihen. Hör auf, dich zu beschweren und sei dankbar.“

Ja, auch ich werde bestimmt immer mal wieder Schläge abbekommen. Und es werden immer Leute auf der Zuschauerbank sitzen, die mir verfaulte Tomaten an den Kopf werfen. Aber die Angst vor den Tomaten kann nicht länger der Grund dafür sein, still zu stehen.

Feel the fear – and do it anyway.

Ich lerne das selbst noch. Jeden Tag ein bisschen mehr. Aber zum ersten Mal sitze ich nicht mehr auf der Zuschauerbank. Zum ersten Mal bin ich in der Arena. Und es ist gruselig. Und es ist überwältigend. Und es ist beunruhigend. Aber am Ende des Tages ist es das Wert.

 

… Was glaubst du, wer du bist, zu denken, dass wir dein Talent, deine Leidenschaft und deine Ideen nicht dringend brauchen können?