In 2015 bin ich für knapp ein Jahr in die afrikanische Wildnis gegangen, um mich dort zum Safari Guide ausbilden zu lassen. Nicht nur hat diese Entscheidung alle meine bisherigen Zukunftspläne über Bord geworfen, nein es hat außerdem grundlegend meinen Blickwinkel geändert. Hier kommen zwölf ganz einfache, aber essenzielle Dinge, die ich von Mutter Natur gelernt habe.

1: Glaub an dich selbst.

Wenn du draußen in der Wildnis unterwegs bist, musst du selbst die Führung übernehmen und deine ganz eigenen Entscheidungen treffen. Niemand anders ist verantwortlich für deinen nächsten Schritt. Und es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht mit Logik erklären oder lösen. Bei manchen Dingen muss einfach das Bauchgefühl entscheiden. Und warum auch immer weiß es irgendwie auch schon ganz genau, wohin dein Weg führen soll. Glaub an dich selbst. Lerne dich selbst besser kennen in ungewohnten Situationen. Nur so bekommst du Selbstvertrauen. Nicht zu wissen, was hinter der nächsten Ecke lauert, macht Angst, ja. Aber es ist auch die größte Freiheit, die du jemals spüren wirst.

2: Erinnere dich an deine Instinkte.

Südafrik ist die Wiege der Menschheit. Hier hat alles angefangen, hier haben inch unsere Instinkte entwickelt, hier mussten wir einst ums Überleben kämpfen. Wenn ihr mich fragt, dann ist es kein Wunder, dass viele Menschen gerade an diesem Ort eine Zugehörigkeit und innere Ruhe finden, die sie sonst wo vergebens suchen. Mich in dieser südafrikanischen Wildnis zu bewegen, hat auch mich meine Instinkte wieder wach werden lassen. Ich habe Augen, die sehen, ich habe Ohren, diehören. Ich habe Hände, die tasten und eine Nase, die riecht. Und vielleicht am Allerwichtigsten: Ich habe ein Herz, das fühlt.

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3:  Lebe im Moment.

Es hat etwas unfassbar Erleichterndes, wenn du an einem Ort lebst, an dem es keinen Empfang gibt. Kein Telefon, kein Internet – ja, die meiste Zeit gibt es nicht mal Strom. Die Tage folgen einfach dem Auf- und Untergehen der Sonne und die eigene Zeit dreht sich um einen einfachen Ablauf, der immer damit zu tun hat, draußen zu sein. Im Busch gibt es keine Sonntage – und du brauchst sie auch nicht. Du lebst von Moment zu Moment und im Hier und Jetzt. Natürlich ist aber nicht alles ein Zuckerschlecken und es gibt Tage da draußen, die möchtest du trotz all der Natur nicht noch einmal erleben. Aber am Ende des Tages glaube ich trotzdem, dass auch ein schlechter Tag im Busch immer noch hundert Mal besser ist, als ein guter Tag irgendwo anders.

4: Alles hat einen Sinn.

Das Schöne an der Natur ist, dass alles einen Sinn hat. Alles ist da aus einem bestimmten Grund. Die Bäume ernähren die Elefanten ,die Elefanten stoßen die Bäume um und bieten so Schutz und Nahrung für kleinere Lebewesen, deren Mist wiederum von Käfern kompostiert wird, die somit die Nährstoffe in den Boden arbeiten. Es sind nur wir Menschen, die merkwürdigerweise einen Haufen Dinge tun, die nicht besonders viel Sinn machen. Mir persönlich hilft die Zeit in der Natur, mich an all die Dinge in meinem Leben zu erinnern, die keinen Sinn machen  – und die ich darum los werden muss.

 

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5:  Schätze die kleinen Dinge.

Ein kühles Lüftchen. Ein Schmetterling. Morgentau. Das Brüllen eines Löwen. Ein Lächeln. Gute Unterhaltungen. Und Bacon.

6:  Lerne, allein sein zu können.

Wann war das letzte Mal, dass du wirklich alleine warst? Nein, ich meine nicht in deinem Zimmer in der Wohnung, in der Stadt, wo du die Nachbarn und den Straßenverkehr noch immer hören kannst. Ich meine wirklich allein. Nur du und… du. Irgendwo im Wald vielleicht. Am Strand. Auch wenn du in der Stadt lebst, mach dir die Mühe und geh raus, um allein zu sein. Erstaunliche Dinge lassen sich finden, wenn niemand anders dabei ist…

7: Finde deine eigene Wahrheit.

Als ich mein Training als Rangerin begann, erzählten mir ein Haufen Leute einen Haufen unterschiedliche Dinge. Ich sage nicht, dass auch nur einer von ihnen nicht wusste, wovon er oder sie redete – im Gegenteil, aber es war eben ihre Wahrheit und nicht meine. Wir sehen die Welt nie so wie sie wirklich ist; wir sehen sie immer nur aus unserem ganz eigenen Blickwinkel. Deshalb ist es umso wichtiger, uns eine eigene Meinung über die Dinge zu bilden; unsere eigenen Fragen zu stellen und eigene Fehler zu machen. Ein wunderbares Zitat  fällt mir an dieser Stelle ein, das mir mein Mentor Alan McSmith gelehrt hat: „Good teachers don’t show you what to see but where to look.“

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8:  Sei dankbar.

Simpel: Wie kannst du nicht Dankbarkeit empfinden, wenn du Zeit in der Wildnis verbringst, wo alles größer ist als du selbst? Wie kannst du dich nicht verlieben in diese Welt? Die Tatsache, dass du am Leben bist, ist Grund genug, jeden Tag eine ausgelassene Party zu feiern, aus Dankbarkeit dafür, dass du mitspielen darfst.

9: Übernimm Verantwortung.

Und wenn du dankbar bist, dafür dass du mitspielen darfst, wie kannst du dann nicht irgendwie auch ein kleines bisschen aktiv werden wollen, um auf deine ganz eigene Art und Weise, mit deinen eigenen Mitteln und Talenten etwas zurückzugeben, um diese Welt am Ende mit dem Gefühl wieder zu verlassen, dass du hier nicht nur deine Zeit abgesessen hast, sondern irgendwie dazu beitragen konntest, dass sie besser, schöner wird?

10:  Hör zu.

Einer der wichtigsten Sinne, wenn du dich durch die afrikanische Wildnis bewegst, ist dein Gehör. Ein Rotschnabelmadenhacker in der Luft könnte bedeuten, dass ein Büffel hinter dem nächsten Busch grast; ein entferntes Rumoren könnte einen Elefanten ankündigen; ein Kudu-Alarmruf kann dich vor einem Raubtier warnen, das gerade auf der Pirsch liegt. Aber nicht nur der Natur sollten wir Gehör verleihen, sondern  vor allem auch unseren Mitmenschen. Wer hört heutzutage eigentlich noch wiklich zu? Wer wartet nicht nur auf die nächste Atempause seines Gegenübers, um das Gespräch schnell wieder an sich zu reißen? Aber wenn alle nur noch reden – wer hört dann eigentlich noch zu? Wirkliches Zuhören ist eine Kunst.

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11:  Atme.

Als Teil meines Trails Guide Kurses musste ich lernen, ein Gewehr zu bedienen und zu feuern. Nun möchte ich nicht sagen, dass ich ein Befürworter von Waffen bin – ganz im Gegenteil! Aber um mich zu Fuß durch den südafrikanischen Busch zu bewegen, ist es eine Voraussetzung. Was mich das Schießen aber gelernt hat, ist das Atmen. Ruhig und gleichmäßig zu atmen ist eine wichtige Fähigkeit, um am Ende das Ziel zu treffen. Und das gilt, so finde ich, nicht nur für das Schießtraining, sondern für sämtliche Ziele in unserem Leben. Erstmal tief durchatmen und sich auf das Heben und Senken des eigenen Brustkorbes zu konzentrieren lässt einen sofort in den jetzigen Moment zurückkommen. Es macht einen riesigen Unterschied und beruhigt einen sofort. Atmen. Einfach atmen.

12:  Liebe.

Es ist das Großartigste, was einem passieren kann: Zu finden, was man liebt. Wenn du erst einmal etwas gefunden hast, das dich jeden Morgen aufgeregt aus dem Bett springen lässt und von dem du nicht genug bekommen kannst, macht auf einmal alles andere in deinem Leben noch mehr Sinn. Ich sage nicht, dass dieses eine Etwas dein Ein und Alles sein muss. Aber es kann diese eine Sache sein, die alle anderen Sachen in deinem Leben beeinflusst. Es kann ein anderer Mensch sein, es kann ein Job sein, es kann eine Lebensart sein, ja es kannst sogar du selbst sein!

Für mich ist diese eine Sache die Natur, die Wildnis und all ihre Wunder. Ich habe über zehn Jahre lang danach gesucht. Und jetzt habe ich angebissen. Und so schnell lasse ich ganz gewiss nicht mehr los.

 

You didn’t come into this world.  You came out of it, like a wave from the ocean.  You are not a stranger here.  Alan Watts

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